Neurotransmitter

Und dann ist wieder alles anders. Wenn du eine Brezel aus der knisternden Tüte ziehst und die Salzkörner überall hin springen, wenn du dir die Schuhe zubindest oder auch auf, wenn du das Geschirr ins Regal räumst und die Müslischüsseln auf den Tellern balancierst und abstützt, wenn du joggen bist oder ein Blatt von einem Busch pflückst und es in die Tasche steckst, we4nn du einen Kieselstein aufhebst oder einen fallen lässt und ihn mit dem Schuh weiter kickst.
Es kann immer passieren und überall und vor allem unerwartet, ein bisschen zu schnell, weil es dafür kein richtiges Tempo gibt, auf jeden Fall so, dass du nicht weglaufen kannst. In dir schwirrt eine Zeitbombe, ewig viele Zeitbomben mit ganz unterschiedlichen Detonationszeiten und -gründen, doch hochgehen werden sie alle, während sie durch deinen Blutkreislauf rasen und dich dein Leben leben und Brezeln essen lassen, bis sie es eben nicht mehr tun. Und dann krachen lang vergessene Gefühlspartikel in einen Nervenknoten, es werden Neurotransmitter ausgeschüttet, elektrische Potentiale weitergeleitet, es findet eine Reaktion statt, eine Empfindung, ein Gefühl. Und dann hast du das Gesicht wieder vor Augen, die Brezel rutscht in die Tüte zurück, die Müslischüsseln rutschen von den Tellern und beim Joggen stolperst du. Du strauchelst und bist desorientiert, eine Sekunde ganz woanders, eine tausendstel Sekunde, die Reizübertragung geht schnell und ist gleich wieder vorbei, doch der Muskelkater bleibt noch mehrere Tage.

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