Alle meine Träume beginnen gleich.

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Wenn ich ein Bild beginne, beginnt die Reise ziemlich gleich, sie beginnt mit einem Viereck, das manchmal durch Papierklebeband definiert wird, dann liegen da Stifte und Pinsel und der Aquarellkasten am Platz und ein oder zwei große Behälter mit Wasser, man braucht große Behälter, damit man nicht dauernd laufen muss und das Wasser zum Malen und Pinsel waschen rein bleibt. Du hast dabei immer gegrinst und mich gefragt, ob ich nun ein Bad nähme, all das Wasser, was wolle ich denn damit?

Wenn ich dann male, starre ich stundenlang auf dieses Viereck und die Farben, ich lerne die Position eines jeden Striches unbewusst auswendig und das Bild zieht mich strudelartig in sich hinein, sodass ich gar nicht mehr verstehe, wo ich eigentlich anfange und das Bild aufhört, ich werde blind gegen die Makel und das Endresultat, ich verstehe nicht mehr und fühle nur noch. Wenn man dann nach Fehlern sucht, sieht man sie nicht mehr, da man keine Außenposition hat, man bemerkt die falschen Proportionen oder zu harten Farbübergänge nicht und auch Augenreiben oder Blinzeln hilft hierbei dann nicht mehr und du bist nicht mehr hier, um mich darauf aufmerksam zu machen, das Licht anzuknipsen in der Dunkelheit und zu sagen: Hier guck mal, das ist falsch so.

Das ist der Moment, an dem ich zurücktreten muss, das Bild auf den Kopf drehen, ich muss es weglegen und irgendwann wieder ansehen, das geht dann alles erst, wenn die Nabelschnur getrennt ist und ich das Neugeborene mit einer gewissen neuen Distanz betrachten kann, wenn wir zwei getrennte Blutkreisläufe haben und ich das Bild ganz anders verstehe und mit den Augen neu erfühle.

Vielleicht ist das mit uns auch so, denke ich, wir waren zu nah aneinander (der Pinsel taucht ins Wasser), siamesische Zwillinge (jetzt in die Farbe), die sich einen Blutkreislauf teilten, wir konnten uns gar nicht mehr betrachten, da wir zu nah aneinander waren, vielleicht sind die 6025 km Luftlinie notwendig (ich setze einen Farbklecks auf das Papier), wer weiß. Wir haben uns auf den Kopf gestellt, uns gedreht und gewendet, beziehungsweise am Ende eher gewunden, vielleicht mussten wir uns jetzt einfach weglegen, sodass wir uns wieder mit anderen Augen betrachten können oder wir kramen uns einfach nicht mehr hervor, wer weiß das schon.

Schluss-(Strich).

Verdient ihr Geld mit Schreiben, Zeichnen und Social Media in Berlin | ursprünglich Biologin | Irgendwas mit Harry Potter & einem Hund

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