Von Rutschpartien, Masterplänen und Pflastersteinen

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Wenn ich mit eingezogenem Kopf und den frostigen Händen in der Tasche durch die Stadt laufe, bin ich oft verwundert über die Zielstrebigkeit meiner Mitmenschen, fast schon neidisch, sie schreiten zügig aus, ganz so wie ich, jedoch zielgerichteter und mit festem, geradeaus gerichteten Blick, als hätten sie ein Ziel, einen Masterplan, das große Eine, dem sie entgegenliefen, während ich eher so torkle und taumle, manchmal bleibe ich an Bordsteinen hängen oder schlittere und rutsche auf einem Fleckchen Packeis aus, dann verliere ich kurz den Halt und versuche, mich wieder zu fangen.
Zu fangen versuche ich mich auch jetzt, nach dem langen Schlittern habe ich ein Geländer gefunden, mich festgehalten und gebremst, einen Schlussstrich gezogen auf der Suche nach Grip, nach einem Fleckchen Pflasterstein oder Gras, während mein Blick unsicher über den Boden gleitet und den Weg geradeaus noch nicht findet. Mittlerweile bezweifle ich die Existenz von Masterplänen, das ist doch nur Gerede von Menschen die Lebensratgeber verkaufen und unsichere Frauen und Männer mit Lebensrezepten verlocken wollen, ich möchte mein Leben nicht ausgebreitet vor mir sehen und brauche keinen Masterplan, sondern nur den Mut geradeaus zu sehen und ab und ein bisschen hoch in den Himmel, ein bisschen Blau oder Grau oder etwas vom Weiß der Wolken erhaschen, das reicht schon absolut und muss auch nur einen Moment langen, dann rutscht man sowieso wieder, ein ewiges Schlittern und Haltsuchen und ab-Und-Zu-Darüber-Lachen.

Verdient ihr Geld mit Schreiben, Zeichnen und Social Media in Berlin | ursprünglich Biologin | Irgendwas mit Harry Potter & einem Hund

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