Das wird man ja wohl noch Sachsen dürfen

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Hallo. Ich muss da mal kurz was los werden. (Ein Zwischenruf an die überaufgeregten „Sachsen-Kritiker“)
Wenn wir mittlerweile etwas gemerkt haben, dann, dass vor allem im Osten Deutschlands der Fremdenhass grassiert. Okay. Dass einige der sogenannten „Wendeverlierer“ oder anders motivierte Rassisten auf die Straße gehen und auch fremdenfeindliche Straftaten begehen. Alles klar. So weit, so furchtbar.

Aber können wir jetzt bitte nicht genau dasselbe wie Rassisten machen? Verallgemeinern und so tun, als seien nun alle Sachsen halbirre Nazis, die schon in der Grundschule vor dem Schreiben und Rechnen den Umgang mit Benzin, Feuerzeug und Baseballschlägern lernten? Können wir jetzt bitte nicht alle Ostdeutschen (vor allem mit den Sachsen hat man es ja gerade) über einen Kamm scheren? In Sippenhaft nehmen?

Ist euch denn nicht klar, dass das eigentlich das Verhalten ist, gegen das ihr euch positionieren möchtet? Verallgemeinerung einer kompletten Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, auch bekannt als: Rassismus? Klingelt da was?

In den sozialen Netzwerken lese ich viele Kommentare und Tweets, in denen einfach alle Ostdeutsche pauschal als „Arschlöcher“, „Nazis“ und Schlimmeres bezeichnet werden. Auch unter meinen Blog-Artikeln kamen solche Kommentare, die ich dann wegmoderieren musste. Unter aller Kanone. Tappt nicht in die Nazi-Falle. Damit seid ihr keinen Zentimeter besser als die Fremdenfeinde und tretet das, für das ihr eigentlich einstehen möchtet, mit Füßen. Ich dachte, es geht euch um Menschenwürde? Alle Menschen sind gleich, außer die Ostdeutschen, die sind etwas ungleicher als wir anderen – oder was?

Ach bitte.

Das bedeutet nicht, dass man vor bestehenden Problemen die Augen verschließt. Die Empfänglichkeit für rechtes Gedankengut. Eventuell vorhandener struktureller Rassismus in Verwaltungs-/Staatsorganen dort.. etc.pp. Da muss man dranbleiben. Das gilt es alles zu analysieren und transparent aufzudecken. Aber auch hier natürlich bitte gleich auch bundesweit, wenn wir schon dabei sind.

Was jetzt auf jeden Fall fehl am Platze ist: Selbst diskriminierend werden. Man ist nicht automatisch rechts, weil man ostdeutsch ist. Meine Familie kommt selbst aus dem Osten und das einzige, was meine Omi anzündet, sind die Kerzen auf unseren Geburtstagskuchen.

Meine Bitte: Atmet erstmal durch. Und dann: Bleibt menschlich.

Das war’s auch schon. Danke für die Aufmerksamkeit.

Verdient ihr Geld mit Schreiben, Zeichnen und Social Media in Berlin | ursprünglich Biologin | Irgendwas mit Harry Potter & einem Hund
  • KOMMENTARE (IMPORTIERT)

    Kommentare: 7
    #1
    ms. hü (Dienstag, 23 Februar 2016 10:30)

    danke!
    #2
    Facingfuture (Dienstag, 23 Februar 2016 13:08)

    Eine differenzierte Betrachtungsweise von Problemen und Anschauungen dürfte eine Selbstverständlichkeit sein. Aber in der Tat geht es in der öffentlichen Diskussion fast nur noch um Schubladendenken und verhärtete Fronten.
    Vielen Dank für diesen Artikel. Verallgemeinerungen und verallgemeinerte Menschen helfen uns nicht weiter.
    Ich verstehe den Eintrag von „Asylkritik“ weniger als Statement zum Thema „das wird man ja wohl noch Sachsen dürfen“, sondern als Kritik gegen die Grundstimmung dieser Seite.
    Ein sachlicher Dialog auch mit kritischen Inhalten oder asylkritischen Fragen ist sicherlich willkommen und zielführend.
    Wenn man aber Flüchtlingswelle, Asyl(recht), Einwanderung, Zuwanderung und dazu auch noch politische Gegner der NSDAP in einen Topf wirft, dann sollte man sich schon selbst fragen, ob hier eine seriöse und fundierte Meinung bzw. Antistimmung dazu möglich ist.

    Der Beitrag von „Asylkritik“ bedient leider genau die Vorurteile oder „Diffamierungen“ die man einfach strukturierten Asylkritikern entgegenbringt.
    #3
    La Vie Vagabonde (Dienstag, 23 Februar 2016 14:22)

    Kleine Anmerkung: Den Beitrag von „Asylkritik“ habe ich entfernt, weil ich keine menschenverachtenden Beiträge und Links auf rechte Webseiten auf meinem Blog dulde. 🙂

    Danke für die anderen Beiträge!

    LG!
    #4
    Lasriediel (Dienstag, 23 Februar 2016)

    Vielen Dank für diesen Beitrag, er spricht mir aus der Seele.

    Ich habe auch schon an anderen Stellen, an denen sich Menschen gegen rechts engagieren, Dinge gelesen wie: „Nicht alle Ostdeutschen sind ausländerfeindlich, aber die Mehrheit von ihnen ist es.“ Das ist nicht nur einfach nicht wahr, sondern erinnert sogar sehr deutlich an: „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…“ Ich finde es erschreckend, wie oft rassistische Aussagen von einem selbst nicht als rassistisch wahrgenommen werden. Andererseits hat es bei mir bewirkt, eigene Aussagen und Meinungen dahingehend zu überprüfen.
    #5
    Achim (Mittwoch, 24 Februar 2016 12:12)

    Ich glaube es macht keinen Sinn zu sagen, alle Einwohner der neuen Bundesländer sind Nazis. Genau so wenig Sinn macht es die Augen zu verschliessen vor der Häufung der Übergriffe gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Um das einmal sachlich zu betrachten, habe ich mir mal die Mühe gemacht und die Zahlen der Übergriffe pro Bundesland zu recherchieren und habe dann die Einwohnerzahl des betreffenden Bundeslandes dazu ins Verhältnis gesetzt. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

    https://www.dropbox.com/s/ bp276swnflsyn56/%C3%9C bergriffe.jpg?dl=0

    Quellen:
    http://de.statista.com/statistik /daten/studie/469716/umfrage /uebergriffe-gegen- fluechtlinge-und-fluechtlingsunterkuenfte-in- deutschland-nach- bundeslaendern/

    https://www.destatis.de/ DE/ZahlenFakten /LaenderRegionen/Regionales /Gemeindeverzeichnis/ Administrativ/Aktuell/02Bundeslaender.html

    Was sagen diese Zahlen aus? Mit Sicherheit nicht, das die gut 4 Millionen Sachsen bei 159 Übergriffen alle Nazis sind. Sie zeigen jedoch ein solides Schwergewicht bei Übergriffen in den östlichen Bundesländern.
    Die Frage für mich ist vielmehr, wie gehen wir mit dieser Häufung um und wie treten wir dieser entgegen?
    Wieso gibt es bei dieser Häufung von Übergriffen in den betroffenen Bundesländern nicht eine massive Distanzierung in Form bspw. Gegendemonstrationen?
    Bitte nicht falsch verstehen, ich will hier nicht pauschalisieren, aber ich halte es auch für falsch, etwas wegzureden was (wenn die Zahlen stimmen) zumindest statistisch gesehen überdurchschnittlich gewichtet ist.
    Und ja, ich weiss auch, dass es in den westlichen Bundesländern (z.B. NRW-Dortmund) massive Probleme gibt.
    #6
    Svenja (Donnerstag, 25 Februar 2016 13:28)

    Vielen vielen Dank für deinen Beitrag! Auch das muss endlich mal gesagt werden!
    Ich als vehementer Asylgegner-Gegner, Verachter von Pegida und Co., Menschenfreund, freiwilliger Helfer im Flüchtlingsheim UND (Wahl-)Sachse bzw. geborener Thüringer habe nämlich so langsam das Gefühl, dass Leute wie ich vom Rest Deutschlands nicht mehr wahrgenommen werden. „Leute wie mich“ meint Sachsen (und allgemein Ostdeutsche), die jeden Morgen mit Bauchschmerzen aufwachen, weil ihre Heimat zunehmend hässlicher wird und die überall und immer aufpassen müssen, wo und wem gegenüber sie sich positiv über Ausländer und Flüchtlinge äußern. Menschen, die einfach nicht begreifen können, wie man hilfebedürftigen Menschen aus Kriegsgebieten die Schuld an der eigenen Unzulänglichkeit geben kann, wie man sich weigern kann, ihnen zu helfen. Menschen, die sich vehement gegen Rassismus zur Werhr setzen, die auf die Straße gehen, Initiativen und Organisationen gegen Rechts ins Leben rufen, den Mund aufmachen und sich aktiv für Flüchtlinge engagieren – hauptberuflich und ehrenamtlich. Denn Gott sei Dank gibt es von diesen Menschen immer noch genug im eigentlich schönen Sachsen, was die Öffentlichkeit leider so nicht sieht. 🙁

    Liebe Grüße
    Svenja aus Leipzig
    #7
    La Vie Vagabonde (Donnerstag, 25 Februar 2016 21:28)

    Moin Achim!

    Wie du im ersten Satz schon geschrieben hast, geht es darum, nicht zu sagen: Alle Leute in den neuen Bundesländern sind Nazis.

    Mehr nicht.

    Es geht nicht darum, strukturellen Rassismus in Sachsen – den es in den öffentlichen Bereichen durchaus gibt – wegzureden.

    Das formuliere ich auch klar in meinem Beitrag.

    Liebe Grüße!

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