Laurence Rees: Auschwitz

In den letzten 3 Tagen habe ich “Auschwitz: Die Geschichte eines Verbrechens” von Laurence Rees gelesen. Das Buch bietet einen wirklich ausführlichen und eindringlichen Blick über die Geschichte des Holocausts und beleuchtet das Thema von verschiedenen Ansätzen (psychologisch, politisch, moralisch, historisch) und Perspektiven aus. Einerseits von der Täterperspektive, andererseits natürlich von der der Opfer. Die Zeitzeugenberichte der Überlebenden haben mich mehrfach in die Embryo-Stellung gezwungen. Abgesehen davon, dass ich mich quasi 3 Tage im Dauerzustand des Entsetzens befand, erscheint mir der Schluss des Buches seltsam und unangenehm aktuell:

“Bald wird sich der letzte Überlebende und der letzte Täter aus Auschwitz zu jenen gesellen, die im Lager ihr Leben ließen. Es wird niemanden mehr geben, der noch eine persönliche Erinnerung an diesen Ort des Schreckens hat. Und wenn dies geschieht, besteht die Gefahr, daß der Holocaust in ferne Vergangenheit rückt und eines von vielen anderen schrecklichen Ereignissen der Weltgeschichte wird. Im Laufe der Jahrhunderte wurden furchtbare Greueltaten verübt, von dem Massaker des englischen Königs Richard Löwenherz an den Muslimen von Akko über die Kreuzzüge bis hin zu Dschingis Khans Völkermord in Persien. Vielleicht werden zukünftige Generationen Auschwitz ebenso sehen –als eine weitere Greueltat, die vor langer Zeit begangen wurde. Doch das sollten wir nicht zulassen. Um menschliches Verhalten zu beurteilen, sollten wir es in den Kontext seiner Zeit stellen. Und im Kontext der hochentwickelten europäischen Kultur in der Mitte des 20. Jahrhunderts gesehen waren Auschwitz und die »Endlösung« die schändlichsten Verbrechen der gesamten Menschheitsgeschichte. Die Nationalsozialisten haben der Welt vor Augen geführt, wozu gebildete, fortschrittliche Menschen fähig sind, wenn sie ihre Menschlichkeit einbüßen. Sobald dieses Wissen ins Gedächtnis der Menschheit eingegangen ist, darf es nie mehr verlorengehen. Es ist da –düster und beklemmend –und wartet darauf, von jeder neuen Generation wiederentdeckt zu werden. Eine Warnung an uns und alle, die uns nachfolgen.”


Laurence Rees: Auschwitz: Geschichte eines Verbrechens
List Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3548606842

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Ein Kommentar

  1. Kommentare: 2
    #1
    aramata (Sonntag, 13 März 2016 22:50)

    Es gibt ein Buch, das ebenfalls versucht, den Verlust der Menschlichkeit zu verstehen -sehr gut recherchiert von einem sehr jungen Autor:
    Bernd Ohm, Wolfsstadt.
    Ich werde Laurence Rees ebenfalls lesen, danke für die Besprechung.
    #2
    Thomas Esche (Montag, 14 März 2016 08:05)

    …die Menschlichkeit einbüßen…
    Das ist, was wir an den Pegiden sehen. Wie kann es soweit kommen? wieweit wird sich das Phänomen ausgebreiten? ist da etwas immer schon da gewesen? latent auch in mir – wenn ich den Haß spüre in mir auf diese braune Flut – ist das nicht dasselbe? darf ich das nähren?
    Auf diesen Blog bin ich geraten über Krautreporter und “Melanie”. Ein zielführendes Experiment. Gut “investigiert”. Und ie lektüre Umberto Ecos “Urfaschismus” ist Augenöffner ür das, was grad geschieht bei uns – hoffentlih nicht “mit” uns.

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