5 Jahre Syrien-Krieg – ein Video

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5 Jahre Syrien-Krieg. 5 Jahre Tod, Wahnsinn, Zerstörung. Dort leben Kinder, die jetzt hier in Deutschland anfangen würden, Lesen und Schreiben zu lernen. Diese Kinder, keine Babies, haben noch nie etwas anderes als den Krieg gesehen. Die Vorstellung ist schmerzhaft und grausam. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Der Krieg in Syrien gehört schon zu unserem Alltag dazu. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie es vorher war. Wieviel haben wir damals von Syrien mitbekommen? Von Assad? Ich habe keine Bilder vor Augen – alles ist verschwommen.

Wie mag das für die Menschen dort sein? Erinnern sie sich an ihr Land vor dem Krieg, oder sind all die schönen und persönlichen Erinnerungen an eine Normalität zu einem kleinen schmerzhaften Knoten in ihren Bäuchen zusammengeschrumpft?

Niemals werde ich Syrien besuchen können, um Städte wie Aleppo, Deir al-Zor oder Homs zu bewundern, wie sie einmal ausgesehen haben. Die Menschen werden nach dem Krieg nicht nach Hause zurückkehren können, weil es ihr Zuhause nicht mehr gibt. Und niemals werde ich die Chance haben, einen dieser 450.000 Menschen zu treffen, die im Bürgerkrieg ihr Leben ließen.

Channel 4 hat zu diesem traurigen Jubiläum ein Video zusammengeschnitten, das den ganzen Wahnsinn des Krieges in Bewegtbilder bannt. Man sieht verängstigte Augen, die hilfesuchend und gehetzt umher schauen, man sieht schreiende Menschen, die ihre verstorbenen Liebsten in den Armen wiegen, man sieht sterbende Kinder.

So oft liest man immer von der Angst der Leute vor diesen muslimischen jungen Männern und männlichen Jugendlichen. Wenn ich die Bilder dieser Jungs sehe, sehe ich immer meinen kleinen Bruder. Er ist die Person, die ich von allen am meisten liebe. Erst kommt er, dann kommt lange nichts und dann kommt der Rest der Menschen, die mir wichtig sind.

Die Vorstellung, dass mein Bruder Grund hätte, so verzweifelt zu gucken, so gramgebeugt und schmerzgeplagt um sein Leben zu rennen, zu fürchten – die ist unerträglich. Und daran zu denken, dass er eine gefährliche Reise auf sich nimmt, um zu überleben – nur, um dort dann mit Ablehnung empfangen zu werden, schmerzt wirklich sehr.

Die Bilder in dem Video gehen unter die Haut. Was sich für uns so weit weg anfühlt, ist für so viele Menschen so unglaublich real. Was die Menschen mitgemacht haben, die aus den syrischen Kriegsgebieten hier her nach Europa kommen – unvorstellbar.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es für eine Mutter oder einen Vater ist, seine toten Kinder im Arm zu halten. Krieg ist nicht abstrakt und anonym. Er ist real. Er ist persönlich, da er immer Menschen betrifft. Er dringt in ihre Privatsphäre ein und vernichtet alles.

(Trigger-Warnung: Gewalt, Tod, Krieg)

Verdient ihr Geld mit Schreiben, Zeichnen und Social Media in Berlin | ursprünglich Biologin | Irgendwas mit Harry Potter & einem Hund
  • KOMMENTARE (IMPORTIERT)

    Kommentare: 6
    #1
    jonas (Sonntag, 20 März 2016 00:27)

    dass du eine trigger-warnung einbaust, finde ich sehr sensibel von dir.

    das video selbst ist schrecklich. ich hatte einen kloß im hals.

    unglaublich, dass sowas gerade stattfindet.
    #2
    Janina (Sonntag, 20 März 2016 09:07)

    Die Triggerwarnung ist wirklich rücksichtsvoll.

    Hab das Video dennoch angeguckt. Musste weinen.

    Die Menschen tun mir so leid! #refugeeswelcome

    Janina
    #3
    Sabine v. E. (Sonntag, 20 März 2016 18:01)

    Die europäische Politik macht mich wütend, ich bin fassungslos, dass wir in Europa uns von hilflosen Flüchtenden bedroht fühlen. Wer glaubt, Probleme zu lösen, in dem er die Grenzen dicht macht und sich einen skrupellosen Diktator zum Verbündeten wählt, handelt schändlich und gewissenlos. Die Toten des zweiten Weltkriegs sollten besonders uns Deutsche zu Menschlichkeit mahnen. Die EU sollte den Friedensnobelpreis aberkannt bekommen. Die Welt wird kleiner, aber die Menschen gleichgültiger. Das ist nicht mein Europa, das ist nicht mein Land!
    #4
    Deprifrei-Blog (Sonntag, 20 März 2016 18:09)

    Das Video konnte ich nicht gesehen, da das Datenvolumen bei meinem Smartphone begrenzt ist. Der Krieg ist furchtbar. Leider interessieren sich die Politiker erst jetzt, um eine Lösung des Konflikts, weil viele Flüchtlinge kommen. Und auch weil die Rechtsextremen immer mehr Wahlen in Europa gewinnen. Ich schreibe in meinem Blog immer wieder über das Thema AfD und Flüchtlingskrise, aber auch zu Depressionen.
    #5
    Fellmonsterchen (Sonntag, 20 März 2016 20:27)

    Das Video habe ich nur teilweise gesehen, es ist zum Weinen.
    Mich erschreckt sehr die Herzlosigkeit vieler Menschen, denen es anscheinend nur darum geht, die Grenzen dichtzumachen, damit das „Schlaraffenland“ (O-Ton aus einem Blog) für Flüchtlinge nicht mehr zu erreichen ist. Sie nennen es Realpolitik. Menschen mit abweichenden Meinungen werden in die Blümchenpflücker- und Gutmenschenecke gestellt.
    Werde demnächst auch in einem Blogartikel meine Gedanken zu diesem Thema und der ganzen AfD-„Chose“ aufschreiben, würde gern auf diesen Artikel verlinken, hoffe, das ist okay? Meine politischen Artikel sind immer recht unstrukturiert, deswegen verweise ich gern auf besser gelungene, trotzdem möchte ich hin und wieder etwas zu diesen Themen schreiben, da wir ja offensichtlich einen Rechtsruck in der Gesellschaft haben.
    LG
    Katrin

    #6
    La Vie Vagabonde (Sonntag, 20 März 2016 20:34)

    Moin Katrin!

    Natürlich kannst du den Beitrag gerne verlinken. 🙂

    LG!

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