Ein britischer Journalist bringt Frauke Petry ins Schwitzen

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Frauke Petry hat sich am 21.03.2016 dem britischen Journalisten Tim Sebastian in einem sehr interessanten Interview gestellt. In der internationalen Presse sind deutsche „Traditionen“ wie Interviewfreigabe und ähnliches eher unüblich, weshalb sich Frau Petry ja eher noch nicht so sehr mit diesem Teil der Presse befasst hat. Umso mehr hat es mich erstaunt, sie jetzt in diesem Interview zu sehen. Der Journalist hakt scharf nach und die Vorsitzende der AfD kommt mächtig ins Schwimmen.
Er möchte herausfinden: Wofür steht die AfD eigentlich?
Da das Interview auf Englisch ist, möchte ich jetzt einfach ein paar Stellen, die ich interessant fand, herausgreifen und (übersetzt) wiedergeben.

SCHIESSBEFEHL? RIESEN MISSVERSTÄNDNIS!

Direkt am Anfang geht es mit der Frage nach dem Schießbefehl los. Der britische Journalist fragt sie einerseits, ob sie stolz auf diese Aussage sei und andererseits, ob sie es richtig und verantwortungsvoll finde, solch eine Frage in der aktuell aufgeheizten Situation zu stellen. Petry versucht sich damit herauszureden, dass es so in einem deutschen Gesetzestext stehe.
Sebastian: „Also sind Sie für das, was Sie sagen, nicht verantwortlich?“ (02:25)

(03:44)
Sebastian: Sie wehren sich also nicht gegen das Zitat, das ich Ihnen eben gab? „Wir müssen illegale Grenzübertritte verhindern und sogar Schusswaffen dafür einsetzen, um sie zu verhindern“. Das haben Sie gesagt?
Petry: Das habe ich gesagt. Ich habe jedoch nicht gesagt, dass man auf Leute schießt.
Sebastian: Aber das bedeutet es doch?
Petry: Nein, das tut es nicht.
Sebastian: Nein?
Petry: Nein. Das deutsche Gesetz lässt die Verantwortung bei unseren Grenzpatrouillen und Grenzschützern, in welcher Art und Weise die Waffen genutzt werden sollen.

(04:30)
Sebastian: Wenn es eine Kanzlerin Petry gäbe, wenn irgendwann einmal so etwas existiert, würden Sie den Grenzschützern die Order geben, als letzten Ausweg auf unbewaffnete Flüchtlinge zu schießen? Wären Sie in der Lage, solch eine Anweisung zu geben?
Petry sucht nach Ausflüchten und möchte ablenken.
Sebastian: Ich habe Ihnen eine klare und direkte Frage gestellt.
Petry: Nein, nein, lassen Sie mich kurz…
Sebastian: Ja oder nein? Ja oder nein?
Petry: Sie müssen meine Antwort auch ertragen.
Sebastian: Sie geben ja keine direkten Antworten.

POPULISMUS? PROVOKATION? MACHEN DOCH ALLE!

Der Journalist möchte nun beleuchten, ob Petry mit dieser Aussage eventuell einfach an Publicity gelegen ist. Dafür thematisiert er die geleakte E-Mail von Petry, die die VICE enthüllt hat. Darin äußert sich die Parteichefin so:

„In einer auf Zuspitzungen und Verkürzungen angelegten Medienlandschaft gehen differenzierte und sachlich formulierte Aussagen leicht unter. Dies trifft umso mehr zu, wenn der Platz, den uns die ‚Noch-Inhaber‘ politischer Mehrheiten in diesen Medien zugestehen, nach wie vor limitiert ist. Um sich medial Gehör zu verschaffen, sind daher pointierte, teilweise provokante Aussagen unerlässlich. Sie erst räumen uns die notwendige Aufmerksamkeit und das mediale Zeitfenster ein, um uns in Folge sachkundig und ausführlicher darzustellen.“

Tim Sebastian versucht weiterhin, die Politikerin aus der Reserve zu locken und versucht es jetzt auch mit Provokation: „Sie wollten diese Überschrift, oder? Sie wollten diese Schlagzeilen in den Medien“ (05:25). Seine Fragestellung unterstreicht er mit einer Stelle aus dem zitierten Text.

Sebastian: Sie wollen diese Schlagzeilen. Sie sehnen sich verzweifelt nach ihnen.
Petry: Jetzt sagen Sie mir nicht, dass so etwas neu in der Politik ist. Alle Politiker tun das, vor allem in kleinen Parteien, die es schwer haben, ihren Platz in den Medien zu erhalten – für ihre Pläne und Ideen.
Sebastian: Also sind Sie die Opfer?

DIE PRESSE BERICHTET IMMER UNFAIR.

(06:40)
Petry: Ich finde, wir sollten differenzieren und das tun Sie nicht.
Sebastian: Oh, ich habe es versucht, ich versuche immer noch, eine konkrete Antwort zu bekommen, schaffe es aber bislang nicht.

Die Kritik ehemaliger AfD-Spitzen (Lucke, Henkel) versucht Petry als Rache zweier Männer darzustellen, die in der Partei versagt hätten (ca. 08:35).


(09:15)
Petry kritisiert die Fragestellungen des Interviewers.
Sebastian: Sie können die Fragen beantworten, wie Sie möchten. Jedoch stelle ich die Fragen, die ich möchte…
Petry: Ja, das können sie schon tun –
Sebastian: … denn das ist das, was eine freie Presse eben tut.
Petry: Ja, schon –
Sebastian: …es sei denn, Sie möchten mir ein Skript geben.


(15:30)
Frauke Petry versucht zu erklären, wie die Medien in unserem Land womöglich korrumpiert seien. Der Journalist hakt nach.
Sebastian: Haben Sie Beweise dafür, dass die Medien korrupt seien?
Petry: Ich möchte gerne wissen, welches Zitat Sie mir gerade präsentieren. Ich erinnere mich nicht, irgendwann einmal „korrupt“ gesagt zu haben.
Sebastian: Ich sagte womöglich korrupte Verbindungen.
Petry: Ich habe mehrfach gesagt, wir hätten keine neutralen Medien. Und ich glaube, dass das wahr ist.
Sebastian: Sie glauben, die Medien seien unehrlich?
Petry: Ich glaube, dass wir nicht neutral betrachtet werden, also: ja.
Sebastian: Okay.

ISLAM? SCHWIERIG.

Das Gespräch wendet sich dem Thema Islam zu. Petry versucht zu erläutern, wieso der Islam nicht zu Deutschland gehören kann und argumentiert dabei mit dem Grundgesetz und den deutschen Werten. Dabei betont sie die Position der Partei, dass der Islam zwar nicht zu uns gehöre, integrierte Muslime jedoch schon und dass auch sehr viele Migranten AfD-Wähler seien.
Sebastian: Ist Ihre Kultur so schwach, dass sie von Menschen zerstört wird, die ins Land kommen und eine andere Religion oder einen anderen Kleidungsstil mitbringen? […] Wieso fühlen Sie sich von [der Burka] bedroht?
Petry: Das ist keine Frage von Bedrohung. Ich denke jedoch, dass es bei uns in Deutschland oder Europa liegt zu entscheiden, welche Art der Migration wir in unserem Land akzeptieren möchten.

Als sie auf Teile des geleakten Parteiprogramm-Entwurfs angesprochen wird, wie z.B. das Verbot von Minaretten, das Verbot von Beschneidung und dem Vorschlag, nicht kurierbare Drogen- und Alkoholkranke wegzusperren, wehrt sich Petry (25:08):
Petry: Sie picken sich immer nur Details heraus, das wird immer gemacht, und mit diesen zum Teil unbestätigten Details wollen Sie darstellen, wie die Partei sei.
Sebastian: Sie fühlen sich hart angegangen, oder?
Petry: Ich bin das gewohnt, aber es wird nicht helfen, ein neutrales und repräsentatives Bild meiner Partei in der Öffentlichkeit zu zeichnen. Wenn Sie genau das wollen: alles klar, gut gemacht.
Sebastian: Sie haben sehr gut dargestellt, was Ihre Partei genau ist. Vielen Dank dafür, dass Sie bei ConflictZone waren. Danke, Frauke Petry.

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  • KOMMENTARE (IMPORTIERT)

    Kommentare: 5
    #1
    Uwe Hellweg (Freitag, 25 März 2016 16:02)

    Dieser Journalist ist einfach fantastisch. Es ist ein großes Vergnügen zu sehen und zu hören, mit welcher professionellen Ruhe er seine Fragen formuliert und auch auf Petry reagiert. Er lässt sich nicht mit Worthülsen abspeisen und fragt, wenn nötig freundlich, aber immer wieder nach. Solche Interviews würde ich mir von deutschen Journalisten wünschen. Dies ist das genaue Gegenteil von dem, was immer wieder in deutschen Laber-Talk-Shows vorgeht.
    #2
    arne (Freitag, 25 März 2016 17:25)

    der journalist ist aber auch bekannt dafür, echt hart zu sein. wer weiß ob sie wusste, worauf sie sich einlässt. dennoch bezeichnendes video, danke für die übersetzung, manche teile habe ich auch nicht richtig verstanden muss ich sagen. aber sie spricht gut englisch.
    #3
    gnaddrig (Freitag, 25 März 2016 22:44)

    Das Interview ist großartig. Mir gefällt, dass Sebastian sehr hartnäckig ist, dabei aber überhaupt nicht aggressiv agiert. Er versucht, die Laviererei sehr schnell abzustellen, fährt ihr immer wieder in die Parade, wenn sie statt der möglichen kurzen und ehrlichen Antwort lange Nebelwände bringt, wird aber nicht laut. Außerdem ist er hervorragend vorbereitet und hat den ganzen Hintergrund parat. Richtig gut.

    Ziemlich am Anfang sagt Sebastian schon, Petry bzw. ihre Partei sähe sich schon als Opfer. Petry bestätigt das am Schluss dann ganz elegant, als Sebastian anmerkt, Petry fühle sich wohl unfair behandelt (dadurch, dass die Medien immer die fiesen, strittigen Zitate aufgreife statt über die großen strahlenden Themen wie den Euro zu reden), und sie das dann implizit bejaht („Ich bin das gewohnt, aber es wird nicht helfen…“).

    Sebastian hat die ganze Zeit versucht, einen Pudding an die Wand zu nageln. Die Frau windet sich die ganze Zeit, weicht aus, steht nicht zu den kruden Dingen, die in ihrer Partei kursieren, die teils von hohen Funktionären öffentlich geäußert werden und es bis in Entwürfe für Grundsatzprogramme bringen. Woran wenn nicht an dem, was sie äußern, soll man eine Partei und eine Politikerin denn messen? Sehr entlarvend, das ganze.
    #4
    Denis Diderot (Sonntag, 27 März 2016 23:06)

    Sei so nett, der Ausgewogenheit halber, und übersetz bitte das mal.
    (Denn leider hält die DW deutsche Untertitel für überflüssig, obwohl der deutsche Gebührenzahler sie finanziert.)
    Und bitte wieder aus der Position von Tim Sebastian, der alle hart ran nimmt, auch das politisch korrektestes Sprachrohr Peter Altmeier.

    http://www.ardmediathek.de/tv/Conflict-Zone-With-Tim-Sebastian/Conflict-Zone-with-Peter-Altmaier/Deutsche-Welle/Video-Podcast?bcastId=30513732&documentId=32138462

    Vielen Dank im Voraus für die Unterstützung einer ausgewogenen Diskussion. Denn die Ergebnisse werden das Schicksal unserer (derzeit wehrlosen) Kinder bestimmen.
    Du kannst es.
    Denis

    #5
    PaulW (Montag, 28 März 2016 01:04)

    „Ist Ihre Kultur so schwach, dass sie von Menschen zerstört wird, die ins Land kommen und eine andere Religion oder einen anderen Kleidungsstil mitbringen? “

    „Haben Sie aufgehört Ihre Frau zu schlagen?“
    „Ich habe nie…“
    „Antworten Sie mit Ja oder Nein!“

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