This is your life now.

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Es gibt so Tage, an denen ist plötzlich alles falsch herum. Dann passieren Sachen, die deine Füße nehmen und sie schnurstracks an die Decke heften, Dinge, die dir sagen: „So, viel Spaß. This is your life now.“ Dann versuchst du zu laufen, aber du hast Angst sofort runterzustürzen, wenn du auch nur einen Schritt gehst. Irgendwie muss es jedoch weitergehen, du hast wenig Alternativen. Also läufst du und stellst erstaunt fest, dass es irgendwie klappt.
Du verlässt die Wohnung an der Decke entlang, schließt deine Tür ab, verlässt das Haus. Draußen springst du von Ast zu Ast, immer auf dem Kopf, du hangelst dich an Dachvorsprüngen, Laternen und Ampeln entlang. Du steigst in den Bus, suchst dir eine Ecke an der Decke des Fahrzeuges aus und schaust auf deine Mitreisenden herab. Sie merken, dass du falsch herum bist, schauen dich an, irritiert, empört. Sie stellen sich ein paar Meter von dir weg, schütteln den Kopf und gehen wieder ihren Tagesgeschäften nach. Eigentlich willst du, dass dich einfach jemand herunter holt und wieder richtig herum hinstellt – doch keiner kommt. Alle machen einen großen Bogen um dich herum. Du versuchst, dich an das „Vorher“ zu erinnern, als alles noch richtig war. Die richtigen Gerüche in deiner Nase, das richtige Kükenflaumhaar unter deinen Händen, der richtige Mensch im richtigen Bett, Vorhänge richtig, Bettdecke richtig, deine Augen auf Höhe aller anderen Menschen und Gegenstände, die dich umgaben – richtig herum. Je länger du darüber nachdenkst, umso weiter rückt alles in die Ferne. This is your life now. This is your life now.

Nach einem langen und anstrengenden Tag an der Decke deines Büros gehst du wieder nach Hause. Die Kollegen haben dich seltsam angesehen und getuschelt, alle haben davon gehört, aber man ließ dich in Ruhe. Der Abwechslung halber betrittst du deine Wohnung durch das Fenster, mit einem Kleiderbügel hangelst du nach der Packung Cornflakes und setzt dich knuspernd über dein Bett. Fledermaus. Du vermisst dein Bett, aber es ist so leer, dass du eigentlich eh nicht drin liegen willst. Der Mensch, der da sonst drin liegt, ist richtig herum. Du kämst eh nicht an ihn ran, kannst ihm nicht die Haare flauschen, ihm nicht in die Wange pieksen, nicht in seine Armkuhle hinein, also bleibst du am besten eh gleich da oben. Du rollst dich zu einer kleinen Kapsel zusammen. „Heute war anstrengend“, denkst du, als du an der Decke liegst, ohne einschlafen zu können. „This is your life now“, flüstert eine Stimme.

Verdient ihr Geld mit Schreiben, Zeichnen und Social Media in Berlin | ursprünglich Biologin | Irgendwas mit Harry Potter & einem Hund
  • Ich wünschte ich könnte heut die Welt für dich auf den Kopf stellen um alles etwas normaler zu machen.

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