#BerlinAttacks – Angst ist keine Lösung

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Ich habe gerade den Vertrag für meinen Traumjob in Berlin bekommen, als mein Handy anfängt, zu vibrieren. Ein russischer Diplomat wird in der Türkei erschossen. In Zürich gibt es eine Schießerei. Ein LKW fährt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge. Mittlerweile heißt es, der Täter sei über die Balkan-Route nach Deutschland gekommen. Was ich darüber denke:


Der Täter war kein Geflüchteter. Der Täter war ein Täter, der sich nach aktuellen Berichten mutmaßlich unter Geflüchteten versteckt hat, der diese schutzsuchenden Menschen als Vehikel genutzt hat, um in unser Land einzureisen. Sofern der aktuelle Tatverdächtige der Täter ist – natürlich.

Geflüchtete wollen sich vor dem Terror in Sicherheit bringen. Der Täter wollte den Terror in der Welt verbreiten. Er hat sich getarnt und nichts mit den Menschen zu tun, die wirklich fliehen. Es war eine Maskerade.

Jetzt rufen schon die ersten nach schärferen Kontrollen, mehr Überwachung, mehr Grenzsicherung. Wie genau beschützt mich eine stärkere Grenzsicherung vor Islamisten, die hier in Deutschland aufgewachsen sind und Anschläge verüben? Wenn stärker abgehört wird, wie werde ich dadurch davor beschützt, von einem Terroristen mit einem LKW überfahren zu werden? Und wie genau hilft mir die Vorratsdatenspeicherung dabei, nicht von einem Amokläufer abgeknallt zu werden? Helfen mir stärkere Kontrollen dabei, nicht von einem Auto überfahren zu werden oder Krebs zu bekommen?

Stärkere Überwachung und Einschränkung der Bürgerrechte führt vielleicht zu einem subjektiven Sicherheitsgefühl. An der reellen Gefahr des Terrors jedoch wird das nichts ändern. Terror gab es schon immer und wird es immer geben. Die Natur des Terrors ist ja eben, dass er sich an keine Regeln hält. Dass er unvorhergesehen kommt und blitzschnell zuschlägt. Natürlich muss man Terroristen ausfindig machen und festsetzen. Aber um jeden Preis? Wo ziehen wir die Grenze und sagen „Stop“? Wenn wir alles digital überwachen, schreiben sie sich eben wieder Zettelchen und Briefe. Werden dann wieder alle Briefe kontrolliert und gelesen? Wo stoppen wir, oder stoppen wir dann gar nicht mehr?

Keine Kontrolle der Welt kann uns garantieren, dass es uns nicht betrifft. Aber auch tausende einreisende Flüchtlinge sind kein Garant dafür, dass es uns betrifft.

Wir leben in relativ sicheren Zeiten und fühlen uns doch immer in Gefahr. Lebensmittelskandale, Terror, das Leben wirkt so unübersichtlich, dabei ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Terrorakt ums Leben zu kommen, verschwindend gering.

Natürlich passiert es dennoch. Und während noch Opfer in den Krankenhäusern um ihr Leben kämpfen (und zum Teil verlieren, wie man an der steigenden Opferzahl sieht), kommen schon die Rechten aus den Ecken gekrochen und instrumentalisieren das Leid der anderen für ihre politische Agenda. Das ist in etwa so, als wenn du bei Opas Beerdigung neben Omi am Sarg stehst und sie fragst, ob du jetzt das Auto haben kannst, ob sie das Testament schon gesehen hat und wann es endlich losgeht.

Ich weiß, dass hier auf AfD-Sympathisanten mitlesen und ich weiß, dass nicht alle mitbekommen, was ihre Vertreter so rauslassen. Deshalb möchte ich das hier zeigen. Das Ziel der Terroristen ist es nicht primär, so und so viele Menschen zu töten. Das Ziel ist es, Angst zu verbreiten und solche Debatten auszulösen, die die Gesellschaft spalten – das ist ihnen in erster Linie viel wichtiger. Die Frage ist eben: Machen wir da mit?

Mir wäre es lieber, wir ließen es.

(Falls ihr euch wundert: Ja, ich folge auf Twitter auch den ganzen AfD-Leuten, Identitären usw. – ich möchte meine Filterblase offen halten. Ich folge auch Linken, Konservativen, ich folge sogar Erika Steinbach! ;-))

Verdient ihr Geld mit Schreiben, Zeichnen und Social Media in Berlin | ursprünglich Biologin | Irgendwas mit Harry Potter & einem Hund
  • Borki56

    Ich finde die AFD gut. Dennoch finde ich Markus Pretzells Nachrichten schlimm. Wegen so etwas heißt es dann gleich wieder: alle AFD-Whäler sind Nazis! Dabei wollen wir doch alle nur das beste für Deutschland, auch für gut integrierte Ausländer.

    Der Anschlag mach tmich betroffen, meine Gedanken sind bei den ANgehörigen und Opfern
    #6

  • Was mir in der Debatte ein bisschen fehlt ist: seit Februar 2016 ist Zeit vergangen. Vielleicht war er damals noch kein Täter; vielleicht war er damals auch noch keiner, der so eine Tat überhaupt beabsichtigt hat. Auch hier entwickeln sich Menschen weiter — und nachdem Menschen autonom sind, ist es nicht nur in unserer Hand, in welcher Weise. Es ist also eine ziemlich wilde Theorie, dass man den Täter damals hätte schon als späteren Gewalttäter identifizieren können — sie bedürfte also einer weiteren Untermauerung mit Fakten.

  • schnappi

    ich finds voll krass dass hier anscheinend afd leute mitlesen. :-DDD hätte ich auf diesem blog jetzt nicht erwartet

  • Wundervolle Worte meine Liebe. Ich habe vorhin meine Gedanken dazu auch niedergeschrieben und sie sind so ziemlich ähnlich.
    Die Angst steuert uns, der Hass zerspaltet uns und am Ende steht die Gesellschaft völlig zerstört da.
    Es ist so unfassbar traurig.
    Es ist so unfassbar dumm den Flüchtlingen die Schuld an einem Terroranschlag zu geben und noch perfider, dass die AfD diese Tragödie als Werbung für ihr noch dümmeres Parteiprogramm nutzt.

  • Ein Sachse

    Ist das Markus Pretzell Profil echt? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er so etwas schreibt. Oder ist das mal wieder aus dem Kontext gerissen? Würde mich bei so einem linken Gutmenschen-Blog nicht wundern.

    Das ist jetzt eben die Politik die uns Merkel mit ihrer Klatsch-Politik beschert hat. Hier sehen wir schon wie unsere Zukunft aussehen wird. Ab jetzt geht es immer so weiter!!

    PS: Ich finde die AfD gut! Und nein ich bin deshalb KEIN Nazi, aber ds wollen die Bahnhofsklatscher ja nicht wahr haben

  • JörgDDDDD

    @Sachse: Wie kann man solche Tweets denn aus dem Zusammenhang reißen? In welchem Zusammenhang macht sowas denn Sinn? So ein Quatsch!!

  • Simon

    Nicht der Flüchtling ist das Problem sondern die menschenrechtswidrige Religion die er mitbringt.
    Auf lange Sicht wird kein Weg an einer großen Entscheidungsschlacht zwischen den verschiedenen Weltanschauungen mit Universalismus-Anspruch vorbeigehen, insbesondere dem Menschenrechtsdenken, dem damit kompatiblen Christentum und dem damit nicht kompatiblen Islam.

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