Quelle: Screenshot Youtube – https://www.youtube.com/watch?v=0bvefNyZYKs

First Lady und aus.

Seit Trump Präsident ist, ist das ganze Internet voll mit Witzen über seine Frau, Melania. Sie wird als “gold-digger” bezeichnet, es gibt Memes mit “when you just want a sugardaddy and end up as First Lady” etc. Es ist einfach, sich über Melania lustig zu machen – und genau so falsch.
Ich finde auch, Trump ist ein Arsch. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er privat weniger arschig ist. Dennoch bin ich mir sicher, mir nicht anmaßen zu können zu wissen, wieso Melania ihn geheiratet hat. Und selbst wenn, es geht mich eigentlich gar nichts an. Und dich auch nicht. Und du da drüben, nein, dich auch nicht.

Man macht sich darüber lustig, dass Melania sagt, dass sie nicht ins Weiße Haus einziehen will. Nicht nach Washington will. Dieselben Leute übrigens, die immer sagen: “Frauen sollen selbstbestimmt an ihren Zielen arbeiten und ihre Träume verwirklichen”. Außer Melania halt. Die ist so hübsch, sie ist ein Model, das reicht doch, da hat sie nicht auch noch das ganze Geld verdient oder dass sie mitentscheiden kann, was für sie und ihre Familie am besten ist. Klappe halten und glücklich sein! Gefälligst.

Im amerikanischen Gesetz und in der Gesellschaft kommst du aus der First Lady-Nummer nicht raus, es sei denn, du lässt dich scheiden. Wenn dein Mann Präsident wird, musst du mit, da steckst du drin, egal, was du eigentlich selbst im Leben erreichen wolltest. Präsident zu werden, sollte deshalb eine Paar-Entscheidung sein – doch es wirkt nicht so, als sei sie gefragt worden. Sie wird verspottet und als undankbar hingestellt. Als gierig. Lächerlich. Dumm. “Sie ist First Lady, was will sie denn noch? Soll doch froh sein!”. Vielleicht will sie das gar nicht? Aber gut, wer fragt das schon. First Lady ist eine Rolle, die eine Frau immer in Abhängigkeit zu ihrem Mann setzt. Du bist erst First Lady, wenn dein Mann Präsident ist. Deine Identität hängt also davon ab, was dein Mann tut. Deine Rolle ist nicht selbstbestimmt, du suchst sie dir nicht einmal aus.

Sie spielt eine Rolle, die sie spielen muss. Blamiert sich mit irgendwelchen kopierten Reden im Fernsehen. Versucht mit auswendig gelernten Sätzen den Mist, den ihr Mann verzapft, geradezuziehen. Wird dann von der Öffentlichkeit nie ernst genommen, nie als selbstbestimmer Mensch anerkannt. Oder überhaupt als Mensch. Sieht sich dabei immer mit dem Vorwurf konfrontiert: “Wenn du so nen Arsch geheiratet hast, musst du auch ein Arsch sein!” Das wenig progressive Frauenbild, das sie dabei in ihren Äußerungen zeichnet zeigt für mich, dass sie selbst in ihrer Ehe und vielleicht auch generell von der Familie und ihrem Umfeld nicht ernst genommen wird. Vielleicht ihre eigenen Rechte und Möglichkeiten nicht kennt oder zumindest nicht wirklich wahrnimmt. Weiß man’s? Ich nicht, du nicht. Wieso dann darüber urteilen?

 

Ein von 🔌 (@haliunde) gepostetes Video am

Wenn man sie im Fernsehen sieht, allein stehengelassen von ihrem Mann, unsicher, weil er wieder mal vorgeprescht ist, sieht sie unglücklich und traurig aus. Das bedeutet nicht, dass diese viralen Gifs zeigen, wie sie zu ihrem Mann steht, wie viele behaupten. Ich denke eher, dass sie sich in den Momenten einfach unwohl fühlt. Was zu ihren Aussagen passt, die so durch den Kakao gezogen werden. Und ich habe keine Ahnung, wieso man das so lustig finden kann.

Auch, dass sie versucht, ihren Sohn zu schützen indem sie sagt: Ich will ihn nicht mitten im Schuljahr rausreißen, wird mit Spott bedacht. Da ist eine Frau, die wie hier in den 50ern von ihrem Mann bevormundet wird, die keine Wahl hat, was ihre berufliche und gesellschaftliche Stellung angeht, die abhängig davon ist, was ihr Ehemann entscheidet. Sie wirkt unglücklich und alle gönnen ihr das von ganzem Herzen. Ich hab keine Ahnung, wie man so etwas lustig finden kann. Ich finde es traurig. Aber auch hier gilt: Ich weiß es nicht. Wir wissen es alle nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass keiner sie fragt. Vielleicht sollte man einfach mal anfangen, mit ihr zu sprechen, und nicht nur über sie, hm?

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8 Kommentare

  1. Habe ich noch gar nicht so gesehen. Stimmt. Bei uns gibt es sowas ja nicht, also mit dem Frist Lady Kram…. dachte die Frauen haben da eine Wahl, aber puh, das ist ganz schön scheisse für sie!

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  2. “First Lady ist eine Rolle, die eine Frau immer in Abhängigkeit zu ihrem Mann setzt. Du bist erst First Lady, wenn dein Mann Präsident ist. Deine Identität hängt also davon ab, was dein Mann tut. Deine Rolle ist nicht selbstbestimmt, du suchst sie dir nicht einmal aus.”

    Hier mag ich zu widersprechen. Während der Begriff “Identität” vielleicht etwas zu drastisch gewählt ist, ist man sicherlich nur “First Lady”, wenn der Ehemann Präsident ist. (Oder eben andersrum, siehe HRC und Bill). Trotzdem ist die Rolle selbstbestimmt und selbst ausgesucht. Das beste Beispiel gab doch in den letzten acht Jahren Michelle Obama, die mehr als nur einmal ihren Mann und damit den Präsidenten in der Öffentlichkeit überstrahlte. Sie agierte eigenständig, selbstbewusst und stark, ohne die Autoritäten des Präsidenten zu unterlaufen. Damit brachte sie vielleicht das zu Ende, was Hillary Clinton damals angefangen hat: Als sie als First Lady eine Gesundheitsreform auf den Weg bringen sollte, formulierte sie eigenständig die Rolle der First Lady neu.

    Dass Melania attackiert wird, was natürlich völlig dumm und unnötig ist, da stimme ich dir zu, liegt vor allem auch an der Beliebtheit Michelles und derer großen Fußstapfen, in die sie voraussichtlich nicht treten kann.

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  3. Wenn jeder, sich anderen gegenüber, so benehmen würde, wie er es selbst für sich erleben möchte, wäre schon viel gewonnen.

    Das gilt für alle – finde ich. Denn unter dem Strich sind wir alles Menschen. Mit widerlichen, erbaulichen und auch durchschnittlichen Eigenschaften.

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  4. Wenn sie die Rede von Michelle Obama kopiert, dann kann man dies kritisieren. Sie hat sich auch diesen beschissenen Typen ausgesucht und akzeptiert somit seine Ausfälle. Spott gegen sie zu entwickeln fällt mir schwer. Sie wirkt wie eine Plastikschönheit ohne Eigenleben. Die Augen wirken traurig. War es nur das Geld, was sie zu ihm führten?

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  5. Sich über Donald Trump lustig zu machen, ist völlig legitim, als frischgebackener Politiker und neuer Hausherr im Weißen Haus ist er ein legitimes Ziel für Kritik und Spott. Mit seiner Frau und seinen Kindern verhält es sich anders. Man muß Melania Trump nicht mögen und Ihren Werdegang auch nicht gutheißen, aber abschätzige Bemerkungen verbieten sich schon aus Gründen des Anstands. Auch die Menschenwürde der First Lady sollte unantastbar bleiben. Die von ihrem Sohn sowieso. Wenn jemand die Familie eines deutschen Politikers für vogelfrei erklären würde, na dann wäre aber was los in deutschen Landen.

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  6. Meine Liebe, dein Text spricht mir aus dem Herzen. Ich möchte diese Lästereien auch nicht und hoffe sehr, dass die Lady ihren Platz finden darf. Sie macht oft den Eindruck als wäre der goldene Käfig ganz und gar nicht behaglich und man möchte sie dann in den Arm nehmen und trösten.

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  7. Ich finde Deinen Text eine sehr moderate und wirklich akzeptable Form von Feminismus. Feminismus im Netz hat mich sehr oft enttäuscht in der letzten Zeit. aaaaaaber: Sie sieht “unglücklich und traurig” aus. Sie hat ihn geheiratet. Es war ihre Enttscheidung. Ich verstehe.. Es geht um Gefühle. Es geht Feministinnen immer um die Gefühle anderer Frauen. Das ist auch gut und notwendig, (gewesen) aber bei Frauen immer von Gefühlen zu sprechen, die Männern einfach abgesprochen werden finde ich auch unmoralisch. Frauen sind heute frei. Sie haben das Recht sich sowas zu entziehen. Klar, sie hängt drin, aber das tun wir Männer ggf. auch. Von uns wird immer etwas anderes erwartet, als von Frauen. Emanzipation hin, oder her. Wir haben genau die gleichen Gefühle. Ging es nicht darum? Also man muss sich schon entscheiden. Die zwei sind ein Paar. Findet man es gut was sie machen, oder nicht. Gefühle.. Meine Güte. Unzählige Tote und zerstörte Existenzen!

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