Andreas Wild von der AfD erklärt, was Passdeutsche sind und wie Migranten die Frauen wegschnappen

Als weißer älterer Mann hat man es heutzutage nicht leicht. Und obwohl es mich nervt, wenn man von “weißen älteren Männern” spricht, um Sexismus hervorzuheben (ich finde das “Argument” selbst sexistisch und lookistisch), hat dieser Umstand hier eine ganz besondere Bedeutung. Herr Wild von der AfD ist so lieb, diese Bewandnis auch jüngeren Männern zu erklären. Also das geht so:

Quelle: Screenshot > Twitter

Ich meine es gibt viele gute Gründe, ein Wahlprogramm aufzustellen. Wenn man etwas bewirken, etwas verändern will. Wenn einem das Land und die Menschen am Herzen liegen und man erreichen möchte, dass alle bestmögliche Chancen in ihrem Leben bekommen. Naja – oder man macht das eben, weil die Frauen, die man scharf findet, sich nicht für einen interessieren, sondern lieber mit Özgür von nebenan ausgehen, da er immer so charmant Blumen dabei hat und er sie immer zum Lachen bringt. Männer, die nicht weiß und dafür jung sind.

Mensch, Andreas. Das ist schade. Gut, ein reflektierter Mensch würde jetzt vielleicht sagen: “Hm, vielleicht sollte ich etwas an meinem Charme arbeiten, vielleicht mache ich mal was gegen diesen Bartwildwuchs oder gehe öfter zum Sport”. Andreas entscheidet sich dennoch dafür zu sagen: “Migranten schnappen uns die deutschen Frauen weg!”. Ist halt auch einfacher zu sagen als “Nagut, anscheinend stehen die Frauen, die ich anvisiere, nicht so auf mich”.

Jetzt wurde ich natürlich neugierig. Wer ist Andreas Wild? Erste Anlaufstelle: Wikipedia.

“Wild gilt innerhalb der AfD als „Rechtsaußen“. Olaf Sundermeyer ordnet ihn als „radikal“ mit bürgerlichem Auftreten ein.[1] Wild ist bekennender Unterstützer des thüringischen AfD-Landessprechers, Björn Höcke, der dem völkischen Spektrum der AfD zugeordnet wird.[4] Nach dessen Rede im Ball- und Brauhaus Watzke im Januar 2017, die von Wissenschaftlern und Journalisten mit den Reden der Nationalsozialisten verglichen wurde, erklärte Wild, er habe Höckes Rede „klasse“ gefunden.”

Klingt doch total sympathisch! Komisch, dass die Miezen da nicht schnurren?!

Scrollt man weiter durch den Twitteraccount, findet man sowas:

Quelle: Screenshot > Twitter

Erst dachte ich: Häää? Wenn ein deutscher Staatsbürger mit deutschem Pass kein Deutscher ist, was denn dann? Aber zum Glück hat der AfD-Abgeordnete die Antwort gleich parat:

Quelle: Screenshot > Twitter

Aha! Ein Passdeutscher also. Übersetzt bedeutet das vermutlich einfach: Kein Arier. Hier meint er übrigens Deniz Yücel, der deutsch-türkische Journalist, der aktuell in der Türkei festgesetzt ist. Ist für Andreas Wild anscheinend kein Deutscher. Okay. Falls ihr euch auch gerade fragt: Was ist denn bitte ein Passdeutscher? Ich habe im Internet eine aufschlussreiche Definition dafür gefunden:

“Passdeutsche (Pl.); ~r (Sg.), rechtsextreme Propagandabezeichnung für deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund, denen trotz offizieller Einbürgerung die Zugehörigkeit zu den Deutschen in Abrede gestellt wird. Stellt das Pendant zu Stammdeutsche dar.”

Und Wikipedia schreibt dazu:

“Für eingebürgerte Personen mit Migrationshintergrund wird auch die abwertende Bezeichnung Passdeutsche verwendet. Als Passdeutsche wurden zunächst vor allem Spätaussiedler bezeichnet, die nach dem Recht des Herkunftslandes zur deutschen Nationalität zählten und die gegenüber anderen Migranten bei der Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft eine privilegierte Rechtsposition einnahmen. Obwohl vielfach als ausländische Einwanderer wahrgenommen, galten sie rechtlich nicht als Ausländer.[36][37] Später erfuhr der Begriff eine Neubewertung, vor allem in Kreisen der Neuen Rechten, als abwertender Ausdruck für Deutsche mit Migrationshintergrund.[38] Eine „passdeutsche“ Identität wird dabei häufig dem Konzept der Volksdeutschen gegenübergestellt.”

Potzblitz!, denkt ihr jetzt sicher. Wer denkt denn so einen völkischen und rechtsverschwurbelten Unsinn? Weiß der das vielleicht nicht? Ist das vielleicht ein Missverständnis? Nein, ist es nicht. Denn Wikipedia weiß noch mehr über Andreas Wild:

“Wilds Staatsbürgerschaftsverständnis basiert auf dem Abstammungsprinzip: deutsch sei, „wer deutsche Eltern hat“. Gegenden wie der Berliner Bezirk Neukölln sollten „wieder deutsch“ werden.[6] Er sieht die AfD als „Pegida-Partei“, die eine „Zeitenwende“ in Deutschland herbeiführen solle.”

Wenn man das alles liest, hält man ja plötzlich Björn Höcke für sehr gemäßigt, oder? Aber irgendwie klingelt was in meinem Kopf. Andreas Wild, Andreas Wild… war da nicht mal was?

Achja! Die Erfurter Rede im Mai 2016. Schmankerl aus diesen äh… interessanten Wortergüssen:

“Und dennoch würde ein Bedarf doch die illegale Einreise nicht rechtfertigen. Das ist doch so, wie wenn ein Migrant in Ihre Wohnung kommt, wie wenn ein Migrant in Ihre Wohnung einbricht und sich an der Speisekammer oder im Sofa festkrallt. Ihr erster Gedanke ist doch nicht: Könnte ich den vielleicht als Reinigungskraft in meiner Wohnung gebrauchen? Nein, Sie rufen die Polizei und schmeißen ihn raus!”

“Der Muezzin-Ruf hat mit Religionsfreiheit gar nichts zu tun. Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Religion, nach der man – um seinem Gott gefällig zu sein – 5 Mal am Tag auf die Straße pieseln muss.”

“Bereits in Deutschland lebende Menschen können wir derweil in spärlich besiedelte Landstriche Deutschlands bringen und sie dort geschützt unterbringen. Dafür genügen ein paar Quadratkilometer Heide. (…) Wir brauchen für die Flüchtlingsheime keine 94.000.000 EUR. Wir brauchen dafür Bauholz, Hämmer, Sägen und Nägel.”

Und rumänische Roma sollen bitte auf ner griechischen Insel abhängen.

Krasser Rechtsaußen-Typ, der im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Wenn man bei Facebook guckt, sieht man auch, dass ihn die Angst vor der “Invasion” durch Flüchtlinge wirklich umtreibt. Die Angst vorm “Bevölkerungsaustausch”, eieiei.

Quelle: Screenshot > Facebook

Achja, wo wir gerade bei Geburtskanal sind: Andreas Wild hat auch ganz genaue Pläne und Vorstellungen davon, was mit unseren Gebärmuttern zu passieren hat, liebe Frauen:

Quelle: Screenshot > Twitter

Jede Frau kann machen, was sie will! Also fast jede. Es muss schon so sein, dass im Schnitt 2 Kinder da sind. Wenn du keine 2 Kinder willst, musst du eben nen Deal mit Laura von nebenan machen, dass sie 4 Kinder kriegt. Nach dem Schießbefehl jetzt nun der Zeugungsbefehl durch die AfD? Das gab es in den Kreisen ja schonmal, kam auch damals nicht so gut an. SO sehr haben die Deutschen ihr Vaterland dann doch nicht geliebt. Sterben für’s Land? Nagut. Aber die eigene Frau durch nen anderen schwängern lassen, weil man gerade an der Front ist? Selbst ne andere Frau schwängern? Auf keinen Fall.

Apropos Krieg: Oft ist es ja ein Klischee: Bist rechts, hast ein komisches Frauenbild, bist Waffennarr. Natürlich muss Andreas Wild auch in diese Kerbe hauen:

Quelle: Screenshot > Facebook

Stell ich mir super vor! Lauter rechte Spinner (was wohl die Leute wären, die der Mann als “zuverlässige Bürger” einordnen würde), die mit Waffen durch die Gegend rennen und Menschen mit Migrationshintergrund abknallen, weil sie schon wieder die Süße aus dem Supermarkt abgeschleppt haben? Man weiß es nicht.

Ich weiß jedenfalls: Mit solchen Leuten hat es “damals” ja auch angefangen. Und wenn ich mir vorstelle, dass so ein Typ im Abgeordnetenhaus sitzt, wird mir ganz schlecht. Und wenn ich mir vorstelle, dass echt Leute überlegen, die AfD zu wählen, wird mir noch schlechter. Eine Partei, die unsozial ist, mit Eliten kuschelt und einen völkischen Staatsbürgerbegriff propagiert – Toll! Ich hoffe mal, dass Deutschland wirklich aufwacht (wie die AfD immer so schön sagt) und merkt, was für ein Haufen rechter Spinner in dieser Partei versammelt ist.

Aber Spaß beiseite – ist doch gut, dass sich jemand gegen das rückständige Frauenbild der Islamisten zur Wehr setzt! Also. Mit nem genau so rückständigen Frauenbild halt:

Und Andreas, kleiner Tipp: Wenns mit den Girls nicht klappt, die Identitäre Bewegung bastelt gerade an einer “Dating-/Freundschafts-App” für Patrioten (sind letztens bei Kickstarter rausgeflogen, die Armen!). Vielleicht wird es ja damit was. Ich denke mal, dass die dort nicht auf Migranten stehen. Gut, das meiste da sind Männer, aber Hauptsache volksdeutsch, oder?

Happy Swiping!

 


Wer Lust auf noch mehr Input hat: Hier gibt es ein interessantes Portrait über ihn auf ZEIT ONLINE


Kleines Update: Anscheinend ist Andreas Wild Inhaber einer Personalagentur, die auch Personal für Flüchtlingsheime bereitstellt. Vorn herum gegen Flüchtlinge hetzen, hintenrum abkassieren. So haben wir das ja gern! 🙂

Quelle: Screenshots http://arbeit-und-beratung.de/

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27 Kommentare

  1. Toller Artikel. Mach weiter so!
    Man muss Aufzeigen, was für Vollpfosten in dieser Partei unterwegs sind und was für ein Gedankengut die verbreiten wollen.

    #KeinMenschIstIllegal

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  2. Also einerseits finde ich den Typen wirklich sehr seltsam, andererseits hänge ich mich gerade ein wenig auf dem “Wer oder was ist Deutsch”-Ding auf.

    Ich meine, ganz falsch ist es nicht; wenn du keinen deutschen Pass hast und hier nicht geboren bist, kannst du nicht Deutsch sein.

    Ich finde Vergleiche mit “Deutschland” aus Objekt immer ganz stark vorbelastet, deshalb mache ich es etwas extraterrestrisch.

    Ist jemand, der auf den Mars siedelt, dort Jahrzehnte lang lebt und von der Regierung vom Mars seine Zugehörigkeit per Pass bestätigt bekommt ein Marsianer? Ich sage dazu: nein. Erst, wenn er sich wie ein Marsianer benimmt, die Mars-Werte verinnerlicht und lebt. Denn wie sonst definiert man eine Kultur, wenn nicht durch Werte und Traditionen. Der Erdenbewohner im gewählten Exil muss diese assimilieren. Dann kann er auch behaupten, “einer von Ihnen zu sein”. Ich finde, dass das auf einer ganz anderen Ebene geschieht, als “Pass” oder “Wo kommen deine Eltern her”? Ich finde nicht, dass man Marsianer ist, nur weil man lange dort lebt oder auch einen Pass hat. Vielleicht ist das Empfinden hier einfach unterschiedlich; rein rechtlich gesehen wäre ich als Ausländer nach 3 Jahren Aufenthalt Deutscher – bzw könnte mich zu einem machen. Aber deshalb bin ich es noch lange nicht.

    Ich wollte das noch als kleinen Zusatz anmerken, den weder du noch der Protagonist in deinem Artikel so wirklich anspricht.

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    1. “Ich meine, ganz falsch ist es nicht; wenn du keinen deutschen Pass hast und hier nicht geboren bist, kannst du nicht Deutsch sein.”

      Ich bin mir nicht sicher, ob du richtig gelesen hast. Er sagt: Leute MIT deutschem Pass sind KEINE Deutschen, wenn sie nichtdeutsche Gene in sich tragen. Also ethnisch zum Beispiel Türke sind und einfach anders aussehen.

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    2. @Max Mustermann
      Bist Du nicht der mit “der Maus im Pferdestall”-Theorie von Facebook?
      “Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt”. Punkt. Ende.
      Einzig Dr. Axel Stoll durfte darüber andere Ansichten haben, bevor er vom Strafplaneten Erde nach Aldebaran zurück kehren durfte.

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    3. Zu deinem Mars-Vergleich: Sorry, aber genau diese völkische, der Blut-und-Boden-Ideologie folgende Definition von Staatsangehörigkeit holt ihre Legitimation aus dieser kulturalistischen Sicht. Gut, im Gegensatz zu dir akzeptieren die Spinner noch nichtmal Assimilation. Das ist aber am Ende nur eine leichte Unterscheidung.

      Es ist doch ein Mythos und dient nur der Konstruktion von irgendwelchen kollektivistischen Identitäten so etwas wie eine deutsche, oder marsianische Kultur zu definieren, die bestimmt, wer deutsch oder marsianisch ist. Wer sagt denn, dass Kultur sich an Ländergrenzen orientiert, die nebenbei gesagt, ja auch eben nicht natürlich geschaffen wurden und somit veränderbar sind?
      Das ist ein absolut veraltetes Verständnis von Kultur zu denken, es gäbe primordiale Eigenschaften, die sich durch die Nationalität abgrenzen.

      Und dann sei noch die Frage gestellt, welchen Sinn es hat, Kultur und Staatsangehörigkeit zu verbinden, und dies so gesellschaftlich zu konstruieren? Das führt doch automatisch zu Abgrenzung, Xenophobie und dergleichen.

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      1. Ich sehe, dass Erdogan in der Türkei immer wiedergewählt wird, auch von Deutschtürken und das mit Aussagen für die Gauland zu Recht Post vom Staatsanwalt bekommen hätte und die die reichlich wirre Person um die es hier geht zumindest öffentlich nie geäußert hat. Ich bin als Atheist auch froh in Deutschland zu leben und ein Blick in die Tageszeitungen verstärkt dies dauernd. Klar, gibt es immer Individuen, die anders denken aber für die Frage des allgemeinen Umfeldes ist das statistische Mittel interessant. Die Googlesuche “türkei dschihad lehrplan” liefert Erhellendes zum Problem, dem ich in einem Staat ausgesetzt wäre, in dem diese Regierung durch die Mehrheit der Bevölkerung gewählt wurde.

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    4. und wenn ich mich nicht so benehmen mag wie “die Deutschen”, wenn ich die “deutschen Werte” ablehne, wird mir dann mein Pass aberkannt?

      Und überhaupt… würde es dann für einige sog. Deutsche schlecht aussehen. Und andere, ohne deutschen Pass hätten es wohl einfacher, weil sie genauso verbohrt und langweilig sind wie: die “deutsche Kultur”

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      1. Nein, wieso sollte man dir denn den Pass abnehmen, wenn du auf die Werte der Kultur ignorierst, der du beiwohnst? Was ist das für ein komischer Vorschlag?

        Es ging darum zu definieren, wer sich Marsianer nennen darf und wer nicht – und meiner These nach bist du halt eben solange nicht Marsianer, bis du dich auch wie einer benimmst. Und das tust du nicht, indem du die Kultur ignorierst und dich nicht anpasst.

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        1. Wenn du auf dem Mars geboren bist sowie deine Eltern und alle deine Vorfahren auch. Du aber schon seit deiner Geburt die Kultur der Marsianer ignorierst und dich nicht anpasst, bist du dann trotzdem ein Marsianer? Laut deiner Theorie eigentlich ja nicht. Denn das ist ja genau das was einen Marsianer ausmacht. Was ist bist du denn dann?

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        2. Ich komme ständig zu spät, darf ich trotzdem Deutscher sein?

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    5. So what? Was bringt diese Deutsch/nicht Deutsch Diskussion?

      Weder sind die Menschen alle einheitlich und dadurch klar zu trennen, noch ist die Kultur eines Landes zementiert.
      All dieses ist schon seit Ewigkeiten im Fluss und wird es weiter sein.
      Die Deutsche Kultur ist heute eine andere als vor hundert Jahren und da wieder vor hundert Jahren.
      Sowohl genetisch wie auch kulturell wurde die Menschheit immer nur durch die Erneuerung und Vermischung weiterentwickelt.
      Menschen, die nur unter sich bleiben und sich fortpflanzen, entwickeln genetische Defekte (siehe europäischer Adel).
      Kulturen, die sich abschotteten, wurden irgendwann von der Moderne überrollt.

      Letztendlich ist es nur die Angst vor der Fremde, die diese Menschen umtreibt.
      Die Gruppe gibt ihnen Identität und Sicherheit, wie Schafe, die sich bei Gefahr aneinander drängen.
      Leider machen diese Menschen wie auch Schafe unter Angst oft dumme Sachen, die rational nicht mehr erklärbar und tatsächlich schädlich sind.

      Bei den Marsianern passiert das übrigens nicht. Die gibts nämlich nicht.

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  3. Der Typ ist krank und seine Aussage eine Beleidigung für alle Frauen und Männer die keinen Partner finden.

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  4. Die Frage ist doch, wieso der genetisch überlegene Arier trotz eben jener Überlegenheit vermeintlich kein Land gegenüber dem attraktiven Südlander sieht. /s

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  5. Von mir aus kann das Typ blöd sein wie er will. Was mich hier viel mehr schockiert ist die Tatsache das völlig klar davon ausgegangen wird, man möchte ausschliesslich Arier hier in Deutschland haben, wenn man einen Unterschied zwischen Passdeutschen und Deutschen sieht. Wenn ich dann Fotos von einer Halle in NRW sehe in der Menschen sitzen die hier gebohren wurden und dort wie wild türkische Fahnen wedeln und sich auf den baldigen Besuch ihres geliebten türkischen Führers freuen, dann frage ich mich warum ich diese Menschen als Deutsche bezeichnen sollte?

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    1. Rechtfertigt etwa ein Übel das andere Übel?

      Grundsätzlich gibt es doch zwei Aspekte:

      – Deutsch als Staatsbürgerschaft: Unabdingbar ist die Akzeptanz der Regeln dieses Staates. Also Gesetze etc. Akzeptiert man sie nicht, wird man bestraft. Man verliert dabei NICHT sine Staatsbürgerschaft. “Deutsche Verrbecher” verlieren die ja auch nicht.

      – Deutsch als Identität: Das ist was Persönliches. Ich kann deutsche Eltern haben und mich dennoch nicht (zumindest primär) als Deutscher fühlen. Ob ich mich als etwas anderes fühlen kann, ist eine andere Frage. Ich kann türkische Eltern haben und mich primär als Türke fühlen. Trotzdem auch Deutscher sein. Ich kann auch türkische Eltern haben und mich primär nicht als Türke fühlen, sondern als Deutscher. Vielleicht weil ich hier aufgewachsen bin und die Kultur und Werte verinnerlicht habe. Aber das muss nicht zwangsläufig so sein.

      Wenn Menschen, die sich als Deutsche fühlen gegen die deutsche Staatsbürgerschaft und deren Regeln stellen, ist das vielleicht sogar schlimmer, als wenn dies ein nicht-Deutscher tut. Gut ist es in beiden Fällen nicht.

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  6. Der Vergleich mit dem Marsianer ist ein guter Trick.

    Einerseits ist der Marsianer ja das total fremde. Offenbar hat die Fremdheit zu Ameisen oder Fischen nicht ausgereicht, man muss auf den Mars gehen, um etwas so fremdes zu finden, dass es für einen Vergleich taugt.

    Andererseits, klar, wer auf einem Ameisenhügel lebt wird dadurch nicht zur Ameise. Ameisen sind eine ganz andere Rasse, man kann sich schlecht mit ihnen paaren und keine Nachkommen zeugen.

    Aber die phantastischen Marsianer haben ein Staatsangehörigkeitsrecht – so fremd sind sie dann doch nicht. Sie sind einfach das was man gerade braucht. Maximal fremd und dann doch genau wie wir.

    Geschickt gemacht, aber man darf sich nicht drauf einlassen, sondern muss es analysieren.

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  7. der fairness halber mus man diesen typen zugestehen, dass das abstammungsprinzip erst mitte der neunziger aus dem gesetz gestrichen wurde.

    zuvor haben also auch SPD und CDU im kern daran geglaubt, dass es so etwas wie “deutsch” gibt, was über den pass hinaus geht. der unterschied zu den rechtsextremisten war nur, dass es ihnen nicht so wichtig war, dass sie von morgens bis abends darüber reden müssten. aber akzeptiert haben sie es über 100 jahre lang.

    ach und um es nicht zu vergessen: die gesetze in der DDR ab 1967, also nach der einfphrung der DDR staatsbürgerschaft, machten eine einbürgerung von nicht-ariern nahezu unmöglich. um genau zu sein, war es in der DDR noch nicht einmal möglich, sich einbüprgern zu lassen wenn man aus westdeutschland kam und biodeutscher war – und auch nicht, wenn man aus einem sozialistischen bruderstaat kam.

    das prinzip der staatsbürgerschaft bewegt sich grundsätzlich immer schon an der grenze zum prinzip des teilen und herrschens. eine staatsbürgerschaft schafft immer identifikation, von der selbst politische antinationalisten, staatenlose gedultete oder touristen nicht unberührt bleiben. fragen wie “wo kommt ihr name her” oder “wo befinden sie sich gerade” werden die meisten menschen immer mit einem land beantworten.

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