Für ein Deutschland, in dem wir Reichen gut, gerne und realitätsfern leben.

Es ist nicht mehr lange hin bis zur Bundestagswahl, weshalb die Union nun endlich ihr Wahlprogramm vorgestellt hat. Schon bei der Enthüllung des Kampagnenlooks, erstellt von Jung von Matt, wurde der Claim, der die Kampagne begleiten wird, der Öffentlichkeit präsentiert:

“Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.”

So weit, so nichtssagend. Für Social Media hat man sich den “markigen” und “einprägsamen” Hashtag #fedidwgugl ausgesucht. Inspiriert von #covfefe? Man weiß es nicht.

Jedenfalls kam heute die ganze Präsentation des Programmes, Pressekonferenzen, Social Media-Rummel, pipapo, das Übliche. Sie wollen Vollbeschäftigung, Sicherheit, niedrige Steuern, blablabla – eben das, was man jede Wahl so hört und das eh nie passiert.

Da dieses ganze Parteiprogrammzeugs ja ziemlich abstrakt ist, ist es gut, dass uns Personen wie der CDU-Generalsekretär Peter Tauber ganz praktisch und konkret zeigen, wie so ein gutes Leben in Deutschland aussehen kann und was mit diesen ganzen komplizierten Formulierungen WIRKLICH gemeint ist. Er greift damit die Tradition der Parteiprogramme in einfacher Sprache auf und erklärt uns und einem verwirrten Rechten auf Twitter:

Was wenige wissen: Der Hashtag geht eigentlich noch weiter! Er heißt nämlich: #fedidwgugladaddsdsifekdn. Das bedeutet:

“Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Außer die Assis, die Doppelschichten schieben, um ihre Familien zu ernähren. Die nicht!”

Alles Versager, außer Peter

Mann. Hätten die ganzen Altenpflegerinnen und -pfleger eben was ORDENTLICHES gelernt, hätten zum Beispiel ne Schwarzgeldlehre bei der CDU machen können! Wären die halt Banker geworden und hätten mit CumEx die deutschen Steuerzahler ausgenommen! Aber nein, haben halt was UNORDENTLICHES gelernt. Oder all die Menschen, die unsere Pakete zustellen, nachts die Regale in den Supermärkten einräumen, all die Leute im Callcenter, all die Menschen an den Docks am Hafen, die Nachtschichten schieben, all die Menschen, die nicht die Möglichkeit hatten, eine gute Ausbildung zu erhalten, die ganzen Leute mit guter Ausbildung, die dennoch nichts finden, all die Menschen über 50, die keiner mehr einstellen will und die in Hilfsjobs arbeiten müssen, all die Alleinerziehenden, die mit 2-3 Jobs jonglieren, damit das Kind auch mal mit auf Klassenfahrt kann, alles Versager! Ich mein ja okay, wir brauchen die halt, da sonst unsere Gesellschaft und Wirtschaft zusammenbrechen würde, aber dann sollen die wenigstens nicht so laut heulen, oder? Das Geschrei des hungrigen Pöbels ist SO LAUT und nervig, findet ihr nicht? Hätten die eben was Ordentliches gelernt, irgendwas ohne Gewissen und mit viel Geld im Spiel. Außerdem sollten die vielleicht ein bisschen sparsamer leben, ein Brot kostet doch nur 50 Pfennig im Supermarkt, oder wie ist da der aktuelle Preis? Sorry, ich weiß das nicht mehr, meine Diener gehen immer für mich einkaufen, hab was Ordentliches gelernt, wisst ihr.

ODER (!) man macht es eben wie Peter Tauber, promoviert in Geschichte und landet dann bei der CDU, wo man dann als Abgeordneter unter anderem auch vom Steuergeld von Geringverdienern lebt und nebenher noch 140.000 € an Nebeneinkünften einstreichen kann.

Ich meine: Was regen die sich auf? Wenn das Brot alle ist, kann der Pöbel doch Kuchen essen, hihihi! Keine Ahnung, ob das eine Wahlkampftaktik der Union ist – aber falls ja, haben sie das Konzept des “Antihelden” sehr falsch verstanden.

Danke Peter, dass du uns gezeigt hast, wofür die CDU wirklich steht! Diese Wahlempfehlung werden wir uns bis September gut merken.

Ich freu mich jedenfalls schon auf deine halbherzige Stellungnahme aus dem PR-Handbuch. Bussi auf’s Bauchi! 🙂

Dein Seeräuberbatman

 

 


Neue Artikel per E-Mail ins Postfach bekommen:


 

Artikel teilen

12 Kommentare

  1. von der cdu irgendwie nicht anders zu erwarten

    ich wette der hat noch keinen tag richtig gearbeitet

    Antworten

  2. So lustig an der Sache ist ja, dass es in Deutschland ja primär einen determinierenden Faktor für Bildung gibt: soziale Herkunft.

    Antworten

  3. Was für ein Assi, das gibt es ja gar nicht. Lässt tief blicken. Ich weiß schon einmal, welche Partei ich nicht wähle.

    Antworten

  4. Naja. Immerhin kann ich als Pöbel, der nichts anständiges gelernt hat, morgens ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen.
    Da weiß man gar nicht, ob man lachen oder ohrfeigen soll.

    Antworten

  5. “Eure Armut kotzt mich an” – Peter Tauber (CDU)
    Wirklich widerlich, was im Club der Unternehmer alles Karriere machen kann. Mit seinem Geschichts-Studium würde er ansonsten heute Taxi fahren. Natürlich als Selbstständiger gemeldet, damit das Unternehmen keinen Mindestlohn zahlen muss. Solche Weltfremdheit und auch noch dazu das stolze Zurschaustellen der eigenen Ignoranz kennt man eigentlich nur von amerikanischen Senatoren der Republikaner. Haben wir uns mal wieder beim großen Bruder was abgeschaut.

    Antworten

  6. Ich verstehe die Aufregung nicht, er ist wenigstens ehrlich. Die anderen die groß drumrum lügen, sollen die etwa besser sein?

    Und ganz ehrlich, das ist nur meine persönliche Meinung, aber nach R2G in Berlin, hätte ich sehr große Angst vor R2G Bundesweit.

    Antworten

  7. Ein Punkt, den man in dieser Diskussion zwangsläufig übersieht, weil das eigene Blut bei so einer abstoßenden Aussage schon aus gesundem Menschenverstand kochen muss, ist, dass es schwer einschätzbar ist, was Peter Tauber dazu bewegt hat, so etwas zu formulieren. Er ist CDU-Generalsekretär. Die Aufgabe des Generalsekretärs ist weniger, Grundsatzentscheidungen zu treffen, sondern sich um das “Tagesgeschäft” zu kümmern. Er hat den Rahmen, den Polterheino zu spielen.

    Was steckt strategisch hinter seinem widerlichen Tweet? In der medialen Diskussion, ob nun über journalistische Medien oder eben in den Kommentarfunktionen sozialer Medien, geht es allein um die Form. Neben der ganzen PR-Entschuldigung, dem Shitstorm, hat Tauber natürlich Aufmerksamkeit für ein Thema geschaffen und es stellt sich die Frage, ob der Weg, den er mit diesem Tweet gewählt hat, taktiert war. Und an diesem Punkt kommt eine Facette in diese Diskussion, die weitaus schlimmer ist als seine Aussage an sich. Denn indirekt kann er nun in seiner Entschuldigungs-Tournee auf den Umstand hinweisen, weshalb Menschen drei Minijobs benötigen. Er kann der SPD im laufenden Wahlkampf, ohne dass er das explizit aussprechen muss, unterschieben, dass die Agenda 2010 einen großen Anteil daran hatte, dass Menschen drei Minijobs benötigen.

    Menschlich ist seine arrogante Aussage unbestreitbar erbärmlich. Aber das größere Problem ist – wenn man das auch mal politisch-taktisch betrachtet – die Art und Weise, so Wahlkampf zu bestreiten. Ich persönlich glaube, dass wenn das strategisch darauf abgezielt hat, war es clever. Niederträchtig, menschlich abstoßend, aber politisch clever.

    Peter Tauber ist Opportunist, das haben wir beim Thema Datenschutz gesehen. Er ist gegen Sterbehilfe und das ganze Mobbing-Thema gegen Anne Höhne-Weigl hat auch noch mal gezeigt, wie sein politischer Charakter ist.

    Das gute an dieser Sache ist, dass er mich überzeugt hat, die CDU auf absehbare Zeit nicht wählen zu können. Ich glaube jedoch, dass ihm diese Aussage bzw. der CDU langfristig Punkte bringen kann.

    4 Millionen Menschen zu demütigen mit weniger als 140 Zeichen. Peter Tauber würde ich niemals die Hand geben. Ich würde mir jedoch wünschen, dass man ein mögliches Taktieren seinerseits thematisiert als alles blind durch einen roten Vorhang der Wut zu betrachten. Man sollte ihm in einer Diskussion klar machen, dass derartige, mögliche Wahlkampftaktiken ethisch nicht nur fragwürdig, sondern die eigentliche Armut in diesem Land sind.

    Ihm und der Öffentlichkeit zeigen, dass der eigentliche Skandal sein Charakter und nicht das Thema seines Tweets ist.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.