Professor Rauscher, die Uni Leipzig und die Angst vorm afrikanischen Ausbreitungstyp

Gerade gestern habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass ich vor einem Jahrzehnt “Ersti” an der Uni Marburg war. Dort habe ich studiert, bevor ich nach Wien gewechselt habe. In Wien habe ich mich, zusätzlich zu meinem Bio-Studium, in Philosophie eingeschrieben und dachte mit Wehmut an meine Lieblingsprofessoren, an das Kantseminar, an die lustige Prüfung in Theoretischer Philosophie. Ich hatte Glück – meine Professorinnen und Professoren waren intelligente, verständige und weltgewandte Menschen, aufgeschlossen, neugierig und in ihrem Denken nicht versteift.

Und während ich noch in diesen schönen Gedanken an die Uni schwele, wird mir das heute in die Timeline gespült:

 

Thomas Rauscher ist Professor für Internationales Recht und Privat- und Verfahrensrecht an der Universität Leipzig. Leipzig, war da nicht was? Genau, da marschierte der Pegida-Ableger “Legida” regelmäßig auf, um der Angst der Besorgten ein Banner- und Fackelschwingendes Ventil zu geben. Perfektes Setting also für neurechte Ideen.

Schon in den Jahren davor, besonders im Februar 2016, fiel der werte Herr durch Tweets auf, die von seiner anscheinend existierenden Angst getrieben waren, der “weiße Mann” könne von irgendwelchen nicht-weißen Völkern überrannt werden. Das klingt dann so:

Außerdem ist er der Meinung, dass es keinen friedlichen Islam gebe und die EU von “Roma und Flüchtlingen” irgendwie besetzt sei oder sowas.

Damit ihr mal einen Eindruck von diesem Professor – der jungen Menschen Lehre, Anleitung und geistige Nahrung geben soll – bekommt, habe ich hier ein kleines Best-Of für euch:


(Kleine Zwischenfrage: Lest ihr die Tweets in eurem Kopf auch mit Goebbels-Stimme? Ich frage für einen Freund.)

Haha ja, “die einzige Religion, die solchen Hass gebiert”. Kleiner Exkurs ins aktuelle Weltgeschehen:

In Myanmar ist es nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) zu systematischen Vergewaltigungen der verfolgten Rohingya-Minderheit durch Soldaten gekommen. Der UN-Sondergesandten für sexuelle Gewalt in Konflikten, Pramila Patten, zufolge sei die sexuelle Gewalt im Norden Myanmars durch die Armee “befohlen, orchestriert und verübt” worden.

Patten beruft sich dabei auf übereinstimmende Berichte Überlebender, laut denen es zu “Gruppenvergewaltigungen durch viele Soldaten und erzwungener Nacktheit in der Öffentlichkeit” gekommen ist. Zudem seien viele Frauen in Armeegefangenschaft sexuell versklavt worden. An der sexuellen Gewalt sollen UN-Angaben zufolge auch myanmarische Grenzpolizisten und regierungstreue Milizen beteiligt sein. Bei den Vergewaltigungen handele es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte die UN-Sondergesandte in Dhaka, der Hauptstadt des benachbarten Bangladesch.”

Hintergrundinfo: Rohingya = Muslime, Täter = Buddhisten. Aber gut, halten wir uns nicht mit so Details wie der Wahrheit auf, oder?


(Ja, den schnall ich auch nicht, aber hey, ich mag Spinat – wo wir gerade schon bei Random-Facts sind.)

Hier möchte ich kurz einhaken. Ich hätte nie gedacht, das mal einem Jura-Professor erklären zu müssen, aber naja – wir leben in seltsamen Zeiten. Aber, Herr Rauscher, schauen wir uns doch mal die Definition von “Invasion” an:

1. Die militärische Invasion:
“Eine Invasion (von lat. invadere – dt. hineingehen, eindringen) steht für das feindliche Einrücken von Militär in fremdes Gebiet.Dementsprechend wird eine angreifende Kriegspartei als Invasor bezeichnet.”

Also ich hab jetzt irgendwie noch keinen Flüchtling mit dem Panzer hier einrollen sehen, während er die Flagge seines Landes schwenkte. Sie aber anscheinend schon?

2. Die biologische Invasion
“Als biologische Invasion bezeichnet man allgemein die durch den Menschen verursachte Ausbreitung einer invasiven Art in einem Gebiet.”

Das letzte Mal als ich es geprüft habe, waren Menschen aus anderen Ländern noch keine andere Art. Ich hab mir jetzt die Mühe gemacht, extra für Sie, lieber Herr Rauscher, noch einmal den menschlichen Stammbaum nachzuvollziehen. Bitte sehr:

Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)

Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)

Familie: Menschenaffen (Hominidae)

Unterfamilie: Homininae

Tribus: Hominini

Gattung: Homo

Art: Mensch

Seltsam. Hier steht wirklich nichts davon, dass die Art vom Geburtsort oder der Hautfarbe abhängt. Vielleicht sollten Sie Ihre Biologie-Bücher aus den 30er Jahren wegwerfen und neue besorgen? Man sollte nie den Anschluss an die aktuelle Forschung verlieren!

Aber, das geht jetzt wieder an meine lieben Leserinnen und Leser, schauen wir uns doch weiter an, was der Professor so twittert, ihr ahnt es schon: Wir sind hier noch nicht durch.

Der afrikanische Ausbreitungstyp

Afrika hat er halt echt auch besonders auf dem Kieker. Die Angst, vom “schwarzen Mann” überrannt zu werden, sitzt tief. Gut, dass er auch Tipps parat hat, die in die gleiche Kerbe schlagen wie Björn Höckes “afrikanischer Ausbreitungstyp”:


“Vermehren”… noch so ein Begriff aus der Tierwelt. Sympathisch und sehr professionell!

Da fällt mir gerade ein, was ist nochmal die Position der katholischen Kirche bezüglich Empfängnisverhütung, Stichwort christliches Abendland und so? Naja, egal.

Keine Ahnung, wie es euch geht, mir fallen sofort ein paar andere Sachen ein: Der Klimawandel, Donald Trump, der vielleicht versehentlich einen Atomkrieg auslöst, die sich dem Ende neigenden Ressourcen, multiresistente Keime… Naja, Details, ne?

Besonders mag ich auch die Stellen, wo er die Geschichte des Kolonialismus komplett (!) ignoriert und einfach davon ausgeht: Der Afrikaner an sich!!!!!1111 sei faul und der Europäer fleißig, weshalb es uns so gut geht und denen da so schlecht. Ich weiß nicht, wieviele Stunden man in der Schule in Geschichte fehlen muss, damit solche Gedanken im eigenen Gehirn Sinn machen, aber naja.

Das könnte jetzt endlos so weitergehen, ich höre jetzt aber mal auf.

Der Uni Leipzig ist der Rassismus ihres Personals anscheinend gleichgültig

Falls ihr gerade denkt: Boah krass, das muss man der Uni Leipzig mal sagen, dass der so ist, die wissen das da sicher nicht!, muss ich euch enttäuschen: Die Uni Leipzig weiß durchaus Bescheid, es ist ihr halt nur leider egal. Das klingt dann so:

“Als Rektorin widerspreche ich den per Twitter gemachten Äußerungen natürlich ausdrücklich. Die Universität Leipzig steht für Weltoffenheit und Toleranz. Wir stellen uns entschieden gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut. Das haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder deutlich gemacht und werden das auch in Zukunft tun. Wenn es einzelne Universitätsangehörige gibt, die sich anders äußern, ist das sehr bedauerlich. Solange sie sich als Privatperson äußern, werden wir aber damit leben müssen. Zum Glück sieht unser Grundgesetz die freie Meinungsäußerung vor. Wir müssen das aushalten, ohne es zu ignorieren. Wir können solche Äußerungen zum Anlass nehmen, eine Debatte darüber zu führen, auf einem vernünftigen Niveau, und das werden wir tun. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe ‘Donnerstagsdiskurs’ werden wir nach der vorlesungsfreien Zeit, also in den ersten Wochen des Sommersemesters, auch einen Diskurs zum Thema Meinungsfreiheit führen. Ich habe Professor Rauscher dazu bereits eingeladen und eine Zusage erhalten. Darüber hinaus wird es zu den Äußerungen von Herrn Rauscher Diskussionen in den universitären Gremien geben, es wird natürlich auch auf der Tagesordnung der nächsten Fakultätsratssitzung in der Juristenfakultät stehen.”

(Stand: 15.11.2017, 16:24 Uhr)

Falls Unklarheiten bestehen, hier die Übersetzung: Wir wissen Bescheid, es ist uns egal, wir werden darüber “diskutieren”, was bedeutet, dass nichts passieren wird.

Das Statement ist von 2016, und passiert ist – ratet mal! – nichts.

Gar nichts.

Dieser Professor hat weiter Zugriff auf junge Menschen, hat weiterhin die Möglichkeit, Hass, Diskriminierung und neurechte Ideen in die Köpfe hunderter, nein tausender Lernwilliger zu pflanzen und irgendwie juckt es keinen.

Falls ihr denkt: Oh, bei den neusten Entgleisungen, also da muss die Uni doch reagieren!… well. Sie hat einfach nochmal dieses “Statement” gepostet und denkt, dass sich die Sache damit hat.

 

Achja, und falls ihr immer noch nicht sicher seid, welches Geistes Kind der Professor ist:

Früher war er übrigens FDP-Fan, das mal so am Rande.


Naja, ich sag dann mal eher: Danke für nix – ganz besonders auch an dieser Stelle an die Uni Leipzig.

 


 

Update 18:53: Die Uni Leipzig hat eine neue Stellungnahme gepostet:

Prüfen, soso. Na, da sind wir ja mal gespannt, was bei der Prüfung rauskommt.


Update 16.11.2017, 07:30

Der Professor hat seinen Twitter-Account gelöscht.

 


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3 Kommentare

  1. Was ist an der Äußerung : “Ein weißes Europa brüderlicher Nationen. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!” rassistisch ?? Wenn ein schwarzafrikanischer Machthaber äußern würde: „`Ein schwarzes Afrika brüderlicher Nationen‘. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!“, dann würde das von allen Linken, Grünen und Main-Stream-Medien euphorisch beklatscht als „selbstbewusst schwarz“, „Besinnung auf das Eigene“, „Ablehnung von Kolonialisierung durch Weiße“ , “Bewahrung ihrer kulturellen Identität” usw. . Nicht die geringste Kritik wäre zu erwarten. Die Verwendung der “Rassismus – und Nazi-Keule” zur Unterdrückung missliebiger Meinungen nimmt langsam wahnhafte Züge der mittelalterlichen Hexenjagd an.

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  2. Irrwitzig was hier in Deutschland passiert.
    Die Meinungsfreiheit in unserem Lande geht radikal den Bach runter.
    Wenn jemand was zu den privaten Kommentaren des Professors zu melden hat (die ein Japaner für seine Ethnie, oder ein Afrikaner oder Chinese in seiner Heimat dort nie in Frage gestellt würde), dann doch nicht während seiner Vorlesung zu einem anderen Thema in dessen Fakultät.
    Der Begriff Abendland ist überjolt, die Zukunft sollte in modernen Gesellschaften mehrheitlich religionsfrei sein, durch Bildung!!!
    Wer sich hier unserer Kultur und unserem Rechtssystem und Leistungssystem nicht anpasst, ist nicht willkommen.

    Deutschland / Europa ist nicht mehr gleich Kirche.
    Empfängnisverhütung hat sich bei uns schon durchgesetzt.
    Die Konfessionslosigkeit nimmt immer mehr zu, da der Glaube nicht das Wissen ersetzen kann.
    Außerdem:
    Der Islam ist keine Religion des Friedens (Hamed Abdel Samad, Aayan Hirsi Ali,, und viele andere ).

    Ausbeutung geschieht durch Gier und Korruption, Konzernbildung, Monopole – Globalisierung etc.
    Sie ist nicht “weiß”, sondern wäre auch scvhwarz, wenn diese die Möglichkeit dazu hätten.

    Wacht endlich auf – wendet euch den Kampf gegen Ausbeutung und Unweltverschmutzung zu, aber steht auch zu eurer Nation – als Patriot, nicht als Rassist.
    Alle Nationen in Freundschaft begegnen und voneinander zu lernen ist gut, aber alles zu vermischen und zu tolerieren ist eher schlecht.
    Es gehört nicht alles zusammen, was man mischen kann.
    Die Wirtschaft bricht vielleicht bald zusammen, dann sind Parallelgesellschaften noch mehr Gift im Lande.
    Dann droht bald ein Bürgerkrieg

    Noch etwas:
    Toleranz ist nicht gleich Akzeptanz.
    Wird oft verwechselt, bzw. gleichgestellt.

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